Hobbyland - Messe in Berlin: Go ist populär


von Stefan Liesegang



Jede mit ein bißchen Liebe durchgeführte Werbeveranstaltung für Go zeigt, wie groß das Interesse ist, welches eine gar nicht so kleine Zahl unserer Mitmenschen haben. So auch die Hobbyland - Messe, die vom 18. - 21.11.1999 in Berlin stattgefunden hat. Diese Messe wird von der Modellbauer - Szene und der Spielwarenindustrie dominiert, Go war das zweite Mal vertreten.

Auf ca. 50 m² haben wir mit 14 Stühlen, 4 Vierertischen und einem Computertisch einen Stand neben der Playmobil - Ausstellung belegt. Täglich von 10:00 - 18:00 waren 1 - 7 Berliner Go-Spieler mit Demonstrations - Partien und Erklärungen beschäftigt. Natürlich war der Andrang am Wochenende am größten. Vielleicht auch, weil Pei Zhao 6-Dan/ HB mitgearbeitet und die Besucher mit ihrem Lächeln verzaubert hat.

Wir haben ein grosses Interesse, gerade unter der wichtigsten Zielgruppe 12 - 16jähriger Menschen ausmachen können und müssen dringend an der Eröffnung eines Jugend - Goklubs arbeiten.

Wie erkläre ich am schnellsten und effektivsten Go ? Diese Frage war beim teilweise großen Andrang wichtig und kann vielleicht hier beantwortet werden.

Benutzt wird ein 9*9 - Brett, auch die Demo-Partien werden bevorzugt kleinformatig und schnell gespielt. Go erklären, das beginnt mit der Beobachtung der Standbesucher und ihrer Bewertung entsprechend der statistischen Chance, diese begeistern zu können. Mit ein bißchen Lebenserfahrung sind Menschen mit nur oberflächlichen geistigen Interessen leicht herauszufiltern - ab 40 ist jeder für sein Gesicht selbst verantwortlich (Oscar Wilde). Außer der erwähnten Zielgruppe der Jugendlichen sind Multiplikatoren von besonderer Wichtigkeit. Diesmal in Berlin u. a. eine Familie, welche ein Jugendfreizeitzentrum in Prenzlau leitet und dort unbedingt einen Go--Klub installieren möchte.

Sollte gerade nichts los sein ist es natürlich nützlich, sich mit jedem X-beliebigen, halbwegs sympathischen Menschen zu beschäftigen - vor allem, um dem Besucherstrom zu zeigen, dass man durchaus angesprochen werden möchte und zum Go erklären da ist.

Ok, lassen wir das Fliessband loslaufen:

  • Blickkontakt, kurz.
  • "Ich erklär Ihnen gern die Regeln !" oder ähnliches.
  • "Setzen Sie sich bitte."
  • "Mögen Sie Brettspiele ?" oder anderer Small-Talk, "Othello ? Ja, das ist nett, aber Go ist anders."
  • Go hat zwei Regeln.
  • Es werden abwechselnd Steine auf die Kreuzungspunkte gesetzt.
  • Rand- und Eckpunkte sind auch erlaubt.
  • Die Steine bleiben stehen bis zum Ende der Partie.
  • ... oder werden geschlagen. Umschlossene Steine können geschlagen werden. So z. B.
  • Das gilt natürlich auch für mehrere Steine. Welche Punkte müßte Schwarz alle besetzen, um diese 2 Steine schlagen zu können ? Hier ist ein Entscheidungspunkt - wer die Diagonalen Nicht-Freiheiten mit besetzt, sollte mit Atari-Go beginnen.
  • So, jetzt können wir eine Partie spielen.
  • 9 Vorgabe.
  • Gewonnen hat, wer den größeren Teil des Brettes beherrscht. Wie man das abzählt, wird am Ende erklärt.
  • "Wenn Du es schaffst, daß ich Dir keine oder nur sehr wenige Steine schlagen kann, kannst Du nicht verlieren."
  • Falls es auftritt: Ko-Regel erklären: Zugwiederhol-ungsverbot, 1 Zug Friedenspflicht für den Gegner.
  • Besonders sinnlose Züge (Selbstmord und Quasi-Selbstmord, Klumpenbildung) kommentieren.
  • Freiheiten vorzählen, "Einigkeit macht stark", "Wo der Gegner nicht spielen kann, brauchst Du auch nicht zu spielen."
  • Man darf auch passen.
  • Das Beendigungsritual einer Go-Partie ist das gegenseitige Passen.
  • Partie auszählen, "zu Fuß", also ohne Steine zu verschieben.
  • Anhand einer Partiestellung das 2-Augen-Phänomen erläutern.
  • Die Begriffe "Gebiet" und "Gefangener" verwenden. Auf keinen Fall so etwas Abstraktes wie "Gebiet" vorher erläutern !
  • Noch eine Partie, mit weniger Vorgabe. Ein großer Teil der Besucher kann die 3. Partie mit 6 Steinen Vorgabe gewinnen.
  • Go-Ware verkaufen oder verschenken.

Falls man von jemandem angesprochen wird "Worum gehts denn eigentlich dabei?" - "Go ist ein Gebietskampfspiel, wer den größeren Teil des Bettes beherrscht, gewinnt." - und dann die Punkte 1-24 abarbeiten. Und immer nett bleiben ! Unangenehme Zeitgenossen wird man am besten wieder los, indem man ihnen ausführlich erklärt, dass sie jetzt ein Buch oder ein Spiel kaufen sollen.

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